modul heimat

Aktuelles

Schlimmste Befürchtungen

Ab 9. Februar 2016 beginnt das Jahr des Affen nach dem Mondkalender.

Dies bedeutet einerseits der Beginn eines neuen Jahres, aber andererseits ein Zyklus der Kältekatastrophe in der Mongolei, die als Zud bekannt ist.
Schon 1944 im Jahr des Affen dauerte die Kältekatastrophe in der Mongolei 150 Tage und dabei starben 9,2 Millionen Tiere. Im nächsten Jahr des Affen 1956 starben in der Mongolei wegen „Zud“ 2,2 Millionen Tiere. Darauf folgendes Jahr des Affen 1968 bedeutete auch für 4,4 Millionen Tiere das Ende. In den Jahren von 1970 bis 1990 konnten die Nomaden wegen einer guten Vegetation im Sommer genug Heu ernten und damit konnten die Katastrophen mit wenig Verlust überwunden werden.
In den letzten Jahren wurde der Zyklus der Naturkatastrophen immer häufiger.

Im Winter des Jahres 2000 hielt „Zud“ 157 Sums (Verwaltungseinheit) im Griff und es starben 2,4 Millionen Tiere. Im darauffolgenden Jahr erreichte Zud 192 Sums und es starben 3,5 Millionen Tiere. Somit standen über 5000 Familien am Ende ohne Tiere bzw. ohne ihre Existenz da.

Wir befürchten in diesem Winter von einem „Eisernen Zud“. Dies bedeutet, dass eine geschlossene Eisdecke alle Nahrung unter sich versiegelt und die Tiere nichts zum Fressen finden können. Somit sterben vorerst die schwächsten Tiere und wenn die Kälte in den Spätwintermonaten weiter andauert, sterben alle Tiere, die keine Zusatznahrung bekommen können. Besonders im März kommen die Jungtiere auf die Welt und dies erschwert die Situation noch schlimmer.

Nach Meldungen der Altai-Nomaden hat eine geschlossene Eisdecke die Westmongolei versiegelt und die Nachttemperaturen erreichen immer weiter über minus 40 Grad. Viele Nomaden haben unzählige Tiere verloren und es kann noch zur flächendeckenden Katastrophe – Eiserner Zud - führen. Darum brauchen sie Hilfe.

Nomadenhilfe für Nomaden in Not

Vom 8. bis 10. Februar feiern alle Mongolen nach dem Mondkalender ihr Neujahrsfest, und es beginnt das Jahr des Affen. Mit diesem Tier verbinden sich äusserst harte Winter. Der schrecklichste war der Winter 1945/46, in dem die Hälfte aller Tiere verhungerte oder erfror. Eine Tragödie für die Nomaden.

Nun zeichnet sich wieder eine dramatische Situation für den Viehbestand ab, da es in der Nomadenwelt seit altersher keine Ställe für die Tiere gibt. Sie sind schutzlos den drohenden Naturgewalten ausgeliefert. Die aktuell starken Schneefälle und der fehlende Steppenwind, der sonst den Schnee wegbläst, verhindern, dass Schafe, Ziegen, Yaks, Pferde und Kamele an die tiefgefrorenen Gräser herankommen. Viele von ihnen werden den Winter nicht überleben.

Deshalb bitten wir um Spenden. Das eingehende Geld wird umgehend an Galsan Tschinag überwiesen, der -  zusammen mit seinem Sohn Galtaikhuu - für den Einkauf und die Verteilung von Futter an die Nomadenfamilien zuständig ist.

Unser Vereinskonto freut sich über jede Spende unter dem Stichwort Nomadenhilfe

Förderverein Mongolei e.V.
Volksbank Kirchheim-Nürtingen
IBAN DE72 6129 0120 0394 3660 00
BIC GENODES 1NUE

Ich bedanke mich bei allen, die mithelfen, die Not zu lindern

Wilma Brüggemann
Vorsitzende des Fördervereins Mongolei

 

Das Volk der Tuwa

Galsan Tschinag bezeichnet sein im Nordwesten der Mongolei im Hohen Altai lebendes Volk, als „Insel der Menschheit der vergangenen Jahrtausende, dessen Kultur erhalten werden muss.“
Die tuwinischen Menschen, deren Glaube tief verwurzelt in ihrer Naturreligion liegt, sind es gewohnt, im Einklang mit der Natur zu leben. Doch die natürliche Balance zwischen Mensch, Tier und Natur droht zu zerbrechen. Traditionelles Nomadenleben und rationale Neuzeit stehen sich scheinbar unversöhnlich gegenüber. Klimatische Veränderungen verstärken dieses Wanken zwischen Tradition und Moderne: Gletscher schrumpfen, Niederschläge lassen deutlich nach, der Grundwasserspiegel sinkt, Steinwüsten wachsen und verkleinern den Lebensraum der Nomaden. Die Folgen für Mensch, Tier und Natur sind bedrohlich geworden: von den 5.565 Flüssen und Bächen sind 700, von den 9.600 Quellen sind 1.500, von den 4.200 Seen sind 760 gänzlich verschwunden und auch die restlichen Gewässer sind dabei, ihre einstigen Reserven zu verlieren. Bestanden vor 30 Jahren noch gut 12% des Landes von insgesamt 1,5 Mio. km2 aus Urwäldern, hat sich die bewaldete Fläche mittlerweile auf 3% verringert.

Galsan Tschinag

Schriftsteller, Schamane, Stammesoberhaupt.
Als Student versprach er: „Ich werde eine Brücke zwischen Ost und West sein!“ - seine Vision hat sich erfüllt: eine große deutsche Tageszeitung ehrte ihn mit den Worten „Er ist eine Brücke zwischen Ost und West!“
Galsan Tschinag verbindet das Morgenland mit seinem urzeitlichen Schamanen- und Nomadentum und das Abendland mit dessen philosophischer Aufklärung und dem neuzeitlich-technischen Fortschritt. Sein Wirken richtet sich auf eine Ergänzung der Neuzeit mit der Altzeit, der modernen Kenntnisse der Menschheit mit dem Urwissen seines Volkes: so sind der achtsame Umgang mit der Natur, die einfache Lebensweise, voller liebe- und vertrauensvollem Miteinander, die zentralen Themen seiner Werke.

Galsan Tschinag