| Ein Reisebericht . . . |
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| Dienstag, den 08. Mai 2007 um 08:40 Uhr | |
![]() „Man kann mich auch besuchen...“, sagte Galsan Tschinag auf einer Veranstaltung vor nunmehr drei Jahren in Hamburg. Diese Einladung habe ich wörtlich genommen, denn ich bin eine begeisterte Leserin seiner Bücher, und ich habe auch den Film vom „Häuptling Däumling“ mit großem Interesse gesehen. Also habe ich mir die Adresse der Reise-Organisatorin beschafft und bin in das unbekannte Land meiner Träume geflogen. Inzwischen bin ich bereits zweimal dort gewesen und werde ganz bestimmt noch häufiger dorthin fliegen.
Wer sich wie ich auf diese Reise machen möchte, muss sich auf ein ganz großes Abenteuer in einem sehr fremden Land einlassen und sich auf manche ungewohnte Entbehrung und viele Überraschungen einstellen, dann wird es niemand bereuen.
Die Reise ist lang und anstrengend. Zuerst geht der Flug mit der mongolischen Airline MIAT über Moskau nach Ulaan Bataar. Von dort geht es nach einem kurzen oder längeren Aufenthalt mit einem kleinen Flugzeug weiter in die Bezirksstadt Ölgiy im äußersten Westen der Mongolei und von dort mit geländegängigen Fahrzeugen in den hohen Altai, in das Ail ( Ein Ail ist das Jurtenlager mehrerer Familien in der Nähe der Weideplätze der Herde.) der Sippe unseres Gastgebers.
Für einige Reiseteilnehmer ist auch hier noch nicht das Ziel der Reise erreicht, denn jetzt heißt es: „Wer kann (oder will ) weiterreiten?“, denn die Hälfte der Gruppe reitet weiter in das drei Reitstunden entfernte Ail im „Wachholdertal“.
![]() Zu dieser Gruppe gehöre ich, obwohl ich keinerlei Reitkenntnisse habe. Unser Gepäck wird auf Kamele geladen, wir selbst besteigen die kleinen Pferde der Nomaden und erreichen spät abends unser Ziel.
Jetzt werden die Schlafplätze verteilt, das Gepäck wird ausgepackt und der Urlaub kann beginnen. Die ersten Tage ist das Programm eher gemütlich. Auf kurzen Touren erproben wir unsere Reitkünste. Jeder, der sich unsicher fühlt, wird von einem der Pferdejungs an der langen Leine geführt, andere trauen sich sofort das Reiten ohne Helfer zu. Von Tag zu Tag werden die Entfernungen, die wir zurücklegen, länger. So geht es zur heiligen Quelle, zur Adlerschlucht und in das Orchideental.
Wir werden von den Tuwa sehr herzlich aufgenommen. Wer möchte, kann ihnen bei ihrer täglichen Arbeit zusehen oder mit anfassen. Es werden Schafe geschoren, die Wolle wird gefilzt, das Vieh wird gemolken, Butter gestampft, Milchschnaps gebrannt und natürlich werden Schafe oder Ziegen geschlachtet.
Wir werden fast jeden Tag von unseren Gastgebern oder deren Nachbarn, den Kasachen [1], zum Essen eingeladen. Da gibt es dann immer leckeres Essen, meistens einen Eintopf mit selbstgemachten Nudeln, Hammelfleisch und eigens für die Touristen aus dem fernen Europa gekauften Möhren und Kartoffeln. Oft gibt es auch Wildzwiebeln oder sogar Schnittlauch dazu, denn diese sammeln die Kinder beim Hüten der Herde auf den Bergweiden. Aber es gibt auch Schlachteplatten mit allen Innereien, dem im Magen gekochten Blut, dem Hammelfettschwanz und viel Fleisch. Daran müssen wir uns erst gewöhnen, aber mir hat alles immer sehr gut geschmeckt.
Zum Frühstück gibt es selbstgebackenes Brot, Milchtee, Rahm, Butter, Honig und Marmelade. Manchmal auch Milchreis, Haferbrei oder Grießbrei. Dazu
selbstgemachten Joghurt, getrockneten Quark in vielen Variationen und Schmalzgebackenes. Keiner muss hungrig vom Tisch aufstehen! Außerdem wird jeden Tag gelacht, gesungen, getanzt und gegorene Stutenmilch oder Milchschnaps getrunken. Die Tuwa sind, wie alle Mongolen, sehr sangesfreudig und geben ihrer Lebensfreude in vielen Liedern Ausdruck. Dazu wird auf der Dombra oder der Pferdekopfgeige musiziert, und manch ein Sänger hat uns durch Kehlkopf- und Obertongesang begeistert.
Nach ca einer Woche werden die Gruppen gewechselt. Wir steigen als „alte Hasen“ wieder auf unsere Pferde und reiten die Hälfte des Weges, den wir gekommen sind, wieder zurück, um die anderen Reiseteilnehmer zu treffen und mit ihnen die Pferde zu tauschen. Das geht natürlich nicht ohne eine Feier am Owoo [2] bei der wieder viel gelacht, gesungen und getrunken wird. Wichtig ist es auch, die Geister um ihren Beistand zu bitten. Wir umkreisen den Owoo, denken fest an unsere Wünsche und legen Steinchen darauf.,
Nachdem wir die Pferde gewechselt haben, reiten wir in das weite Tal, in dem wir am ersten Tag angekommen sind. Auch hier werden wir eine Woche verbringen, viele Einladungen erhalten, Ausritte in die Umgebung machen und am Leben der Tuwa teilnehmen. Eine besondere Attraktion ist der schwarze See, in dem wir bei warmem Wetter baden können.
Aber es kommt auch vor, dass es im Sommer recht kalt ist. Dann kommen wir aus unserer warmen Kleidung nicht heraus. Man darf nicht vergessen, dass wir uns im Hochgebirge befinden, auf einer Höhe von 2500 bis 3000 Metern, direkt unterhalb des heiligen Berges der Tuwa, dem Harakaan, der das ganze Jahr über schneebedeckt ist. Oft weht ein kalter Wind, aber abgesehen von kurzen Schauern scheint fast immer die Sonne vom blauen Himmel.
Hier ist die Landschaft sehr karg, die Entfernungen sind gewaltig und die Aussichten atemberaubend.
Jeder erlebt diesen Urlaub anders. Eine Bedingung für sein Gelingen ist, dass man sich vorbehaltlos auf alle neuen Situationen einlässt.
Leider kommt der Abschied viel zu schnell und bald müssen wir unsere Rucksäcke wieder packen. Unsere Jurten werden abgebaut und die lange Heimreise beginnt.
Ich vermisse den Altai schon, bevor ich den Bus besteige. Es war bestimmt nicht meine letzte Reise in eine ferne, fremde Welt!
Eva Walloch, im September 06
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. Oktober 2012 um 10:27 Uhr |












